Sonderausstellung "Experiment in Catastrophe"

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Maik Thomaß
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Sonderausstellung "Experiment in Catastrophe"

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Sonderausstellung "Experiment in Catastrophe"

Greifswald - Am 12./13. Februar 1940 wurden 1120 Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Stettin verhaftet und in das vom Dritten Reich besetzte Generalgouvernement deportiert. Die beiden Stettiner Künstlerinnen Natalia Szostak und Weronika Fibich gehen den Spuren einiger von ihnen nach. Auf diese Weise finden sie einen persönlichen Zugang zu dieser ersten Deportation deutscher Jüdinnen und Juden aus dem sogenannten Altreich in ein besetztes Gebiet. Hannah Arendt sieht darin ein „Experiment“ im Hinblick auf den Ablauf weiterer Deportationen, die das nationalsozialistische Regime in den Folgejahren in nahezu ganz Europa durchführte. Die künstlerische Intervention geht diesem Denkansatz nach und basiert auf Archivmaterialien und Forschungsergebnissen. Das Fundament bildet dabei die Aufnahme vorgefundener Zeichen, aus denen sich das damalige Geschehen ablesen lässt. Neben dem Sammeln von Artefakten und der Schaffung eines multimedialen Registers steht der Versuch einer individuellen Form der Erinnerungspraxis (durch Abschreiben, Verlesen, Folgen einer Route) im Fokus.
Am 12. Februar 2021, 81 Jahre nach der Deportation, machten sich die beiden Künstlerinnen auf die Reise. Natalia Szostak fasst ihre Eindrücke in Worte: „Begleitet hat uns auf dem Weg gen Südosten der Nachhall der in einem Brief der Deportierten gelesenen Worte: »Sie und unsere alten Freunde sind nicht mehr am alten Ort.«“ In Stettin und Głusk habe sich seit 1940 vieles verändert: „Unter ihrer alten Adresse gibt es kein Mietshaus mehr. Es bleibt auch keine Leere. Der freigewordene Raum füllt sich schnell wieder. Er trügt mit beliebigem Inhalt. Ein Name anstelle eines Namens, ein Gesicht anstelle eines Gesichts. Tarnung. Wir sollten nicht wissen, dass Käte und Martin getötet wurden. Wir sollten nicht wissen, dass es sie gab.“

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg, Teatr Kana und Akademia Sztuki w Szczecinie
Im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Pommersches Landesmuseum
Rakower Straße 9
17489 Greifswald
Di – So Mai – Oktober 10 – 18 Uhr
November – April 10 – 17 Uhr

Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch über die jeweils geltenden Regeln. Aktuell gilt 2G+: Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene mit zusätzlichem negativem Schnelltest. Personen mit Boosterimpfung sind von der Testpflicht befreit.

Die Sonderausstellung ist im Eintritt der Dauerausstellung inbegriffen, kann aber auch gesondert für 2,50 € besichtigt werden.

Besuchen Sie darüber hinaus unsere Dauerausstellung „Pommern im 20. Jahrhundert“, um mehr über die historischen Hintergründe zu erfahren. Dort können Sie beispielsweise faksimilierte Kennkarten einiger der Deportierten erkunden. Von den 1120 Personen überlebten nur etwa 20 Menschen den Holocaust.
Redaktion Maik Thomaß
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