Schneebombe, Panik Teil 2

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Maik
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Schneebombe, Panik Teil 2

Beitrag von Maik »

Schneebombe, Panik Teil 2

In den nächsten Tagen, genauer zum 26. Januar 2026 wird eine spannenden Wetterlage erwartet. Grund hierfür ist ein Tief welches, voraussichtlich von Tschechien kommend über die Osthälfte Deutschlands zieht.

Dieses trennt sehr milde Luft über Westeuropa von der sehr kalten Luft aus Osteuropa und sorgt, teils für große Niederschlagssummen. Und da sind sie wieder unsere Panikmacher, die Altbekannten und auch ganz neue Mitspieler, im Wettbewerb der Klicks auf Videos. Und dabei scheint der Länge der Videos keine Grenze gesetzt zu sein, wobei die "normalen" Videos bei etwa 5 Minuten beginnen und die längsten Videos ein Viertelstunde und mehr des Lebens klauen.

Und es sind altbekannte Gesichter, die mit wenn, vielleicht, es könnte, nicht ganz sicher, möglicherweise, anfangen und am Ende alle Unsicherheiten in "Es wird so kommen" enden lassen. Auch dieses Mal hängt die Sicherheit von der Unsicherheit der Zugbahn des Tiefs ab und natürlich auch, wie viel Feuchtigkeit es auch dem Mittelmeerraum, wo es sich bereits bildet, mitbringt. In Staulagen der Mittelgebirge, hier an den Südhängen, kann es zu größeren Niederschlagssummen kommen. Diese sind aber punktuell und nicht flächendeckend.

Hinzu kommt, dass einige Neuexperten einen Wert ganz gut vermasseln. So spricht "LeWetter" bei einem Videoportal mit verweis auf eine Wettermodellkarte von 31 Zentimetern Neuschnee. Schaut man sich die Karte genauer an, ja, dann hat er schon mal die Neuschneeprognosekarte ausgewählt. Was er missachtet ist die Tatsache, dass es sich bei der Neuschneeprognose nicht um Zentimeter sondern um Kilogramm/Quadratmeter handelt.

Dies ist ein Wert, den man nicht einfach 1 zu 1 umrechnen kann, denn 1 Kilogramm Schnee ist nicht gleich 1 Zentimeter Neuschnee. Da bedarf es mehrerer Faktoren. Es gibt Nassschnee, trockenen Schnee, Pulverschnee und weitere Sorten, die jeweils durch ihre spezifische Dichte einen anderen Wert ausmachen.

Hier das spezielle Beispiel: Für den Grenzbereich Mittleres Bayern - mittleres Baden-Württemberg werden bis zum Dienstag 27.01.2026 12 UTC 31 kg/qm berechnet. Die aktuelle Schneedecke für den genannten Zeitraum beträgt jedoch maximal 13 Zentimeter. Für den 27.01.2026 0 UTC könnten tatsächlich sogar ganze 3 Zentimeter mehr Schnee liegen. Es hilft also nicht, nur auf nackte Zahlen mit der falschen Deutung zu schauen und damit Panik zu erzeugen, sondern auch mal einen tieferen Blick zu wagen.

Zweiter Kandidat des Tages Domenik Jung vom hiesigen Wetterdienst wetter.net. Nach der schon gestern erfolgten Panikmache heute der neue Knaller: "Schneewarnung: Bis zu 20 cm Neuschnee am Montag! Der Winter dreht noch einmal voll auf!" Kurz dazu. Winter metrorologisch gesehen geht noch bis 28. Februar. Also könnte dieser sogar noch mehrmals aufdrehen.

Was bei seinen Videos auffällt, ist die Tatsache, dass er mit ähnlichen Worten wie "es könnte, vielleicht, möglicherweise" auf eine Gefahr hinweisen will, diese zu einer Katastrophe aufbauscht und damit schon die Leute verunsichert. Und im Anschluss an die möglicherweise zum 3. Folgetag eintretende Wetterlage dann ein gesicherter Blick auf die "gesicherte Temperaturabweichung" bis zum 02.02.2026 und gleich darauf noch eine Woche weiter und als Höhepunkt der Blick 3 Wochen in die Zukunft. Aber auch das reicht noch nicht aus: Wir machen den Februar gleich mal voll und schauen bis zum 02.03.2026, spielen das Spiel auch für die nächten zwei Wochen für den Niederschlag durch und als Sahnehäupchen kommen dann noch vier Karten mit Temperaturanomalien für den Februar und März, wobei der März, so suggerieren uns die beiden Modelle, wohl zu warm vom langjährigen Mittel ausfallen.

Gut, dieses Video war jetzt fast neun Minuten lang, wobei gut vier Minuten für die Prognose vor dem Winteraufdrehen ausfielen. Aber das war es dann auch schon.

Ich weiß, ich wiederhole mich immer und das auch gerne wieder.

Derartige Wetterlagen wie jetzt, wo ein Tief ganz oder teilweise sehr dicht über Deutschland zieht, lassen eine genaue Prognose vier oder fünf Tage im Voraus nicht zu. Es reichen dabei wenige Kilometer Abweichung aus und schon ist das, was panisch vermittelt wurde, nur ein ganz normaler Winter. Und wer dann noch, nach der Panikmache mal eben gleich zwei Monate vorausschaut, der sollte sich doch einmal überlegen, ob das noch was mit Seriosität zu tun hat.

Eines ist fakt. Heute sind die Extremeregnisse in allen Bereichen bestimmend über Klicks im Internet auf Videos und damit auch auf Geld, welches mit jedem Klick über Werbung verdient wird. Allerdings ist es auch die Panik die geschürt wird, die die Leute verunsichtert und wenn es oft genug nicht so eintrifft, wie vorhergesagt, dann glauben die Leute irgendwann nichts mehr und seriöse Meldungen über mögliche Gefahrenlagen werden ignoriert. Und spätestens dann ist das Geschreie groß.

Mein Tipp: Schaut lieber zweimal hin, wer was wie erzählt. Sucht euch einen Akteur, der ruhig und gelassen, ohne Panik darüber berichtet, was passieren könnte. Sobald ihr aber auf einen trefft, der in die Zukunft über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten abschweift, dann fragt euch, ob das, was er uns zeitnah erzählen wollte, wirklich so wahr ist, wie anfangs suggeriert.

Heute geht eben nicht mehr viel mit Qualität. Klicks sind das was zählen. Nur die gezielte Auslese derer, die euch nicht mit Schlagworten der Superlative etwas rüberbringen, die zu finden wird schwer, aber es gibt sie.
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