Funktionsplan Mittelmole spaltet Warnemünde
Verfasst: 06.10.2016, 06:25
Funktionsplan Mittelmole spaltet Warnemünde

Funktionsplan Mittelmole Ostansicht. Foto: Maik Thomaß
Geplant war ein einstündiges Vorstellen des Projektes. Allerdings war dieser Plan von vorn herein unrealistisch. Mehr als zwei Stunden wurden die Gäste und Besucher hingehalten, ihre konkreten Fragen zu stellen und den Machern des Funktionsplans auf den Zahn zu fühlen. In der ersten der zwei Runden ging es, wie oben schon beschrieben, vorrangig um das Thema Planung, was könnte wo entstehen. Groß war die Freude der Verkündung, dass die Stadt und die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wiro, gemeinsam das Grundstück erworben hatten und somit auch nicht durch einen Investor irgendetwas erbaut werden könnte. Die Fläche sei in kommunalen Eigentum und somit wolle man auch die Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger zulassen.
Aber geht das wirklich? Wer dabei, war hatte schnell den Eindruck, dass alles Gesagte bereits in Sack und Tüten ist und die Bevölkerung zwar Vorschläge machen kann, diese jedoch mehr oder weniger zur Beruhigung angehört werden, jedoch keinen Einfluss auf die Entscheidung der Stadt und der Wohnungsbaugesellschaft Wiro haben. Hauptaugenmerk lag auf dem Projekt der Landmarke, die schön mit dem Wort Blickfang beschrieben werden kann. Hierbei handelt es sich um ein Hochhaus, dass, wenn es nach den Wünschen der Architekten geht, höher als das Hotel Neptun werden soll. Dies stößt, und das zurecht, auf Widerstand aus der Bevölkerung, die sich einheitlich gegen einen derartigen Hochhausbau in Warnemünde ausspricht. Warnemünde hat bereits drei Landmarken, die von weit her ersichtlich sind. Dabei handelt es sich um das Hotel Neptun, den Warnemünder Leuchtturm und die Warnemünder Kirche. Alle diese Bauwerke, es sei dahingestellt, ob sie jedem gefallen, sind Landmarken, die sich nach und nach ins Stadtbild eingeprägt haben. Sie alle würden durch einen noch höheren Neubau in den Schatten gedrängt werden.
Würde die Landmarke in Form eines Hochhauses tatsächlich entstehen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, was es beinhaltet. Es wird von Wohnungen, einem Hotel oder gar einem Gesundheitszentrum gesprochen. Zum Thema Wohnungen gab es zahlreiche Auseinandersetzungen, zu denen später noch mehr folgt. Bleiben wir bei der Landmarke mit einer Höhe von 65 bis 90 Metern. Gigantisch wäre der Aufwand, ein solches Projekt auf der Mittelmole zu platzieren, gigantisch auch die Auswirkungen auf den Schiffsverkehr. Was kaum einer eingerechnet hat, ist die Luftströmung. Wer bei windigem Wetter am Hotel Neptun vorbei geht, wird merken, welche Winde dort wehen. Dies würde auch bei einem derartigen Turm passieren und die Schifffahrt beeinflussen. Diese Kritik kam aus dem Publikum von ehemaligen angestellten Lotsen, die von ihrem Handwerk einiges verstehen. Ihrer Ansicht nach würden die Luftströmungen die vorbeifahrenden Fähren zu stark beeinflussen, so dass es teilweise gefährlich werden könnte. Auch der geplante Pier 8 für Kreuzfahrtschiffe wäre in Gefahr, denn gerade dieser liegt genau im Windfeld des Hochhauses.

Eindeutiges Votum gegen Landmarke auf der Mittelmole. Foto: Maik Thomaß
Kritischer Punkt war auch das Wohnen auf der Mittelmole. Neben der Befürwortung gab es auch zahlreiche Gegenargumente. Den Planern wurde ein Rahmen von 100 bis 300 Wohneinheiten gesetzt. Gesprochen wurde sehr oft von mehr als 300, des öfteren auch von bis zu 360 Wohneinheiten. Dies schürte gerade in der zweiten Diskussionsrunde Zündstoff, der sich in vielen Wortgefechten entlud. Dritter Punkt zum Wohnen auf der Mittelmole ist ein geplanter Neubau von Wohnungen zwischen der S-Bahn-Anbindung und dem Park am Alten Strom. Die Häuser sollen als Schalldämmung wirken. Wegfallen würden die derzeitigen Parkflächen. Allerdings ist fraglich, ob jemand tatsächlich trotz der schönen Aussicht auch im regelmäßigen Takt die S-Bahn hören möchte. Vorschläge und Kritik seitens der Gäste, Bürgerinnen und Bürger wurden durch die Veranstalter mehrmals ins Lächerliche gezogen. Diesen Kritikpunkt ließ man nicht auf sich sitzen. Zu Beginn des zweiten Teils der Veranstaltung, die durch die Veranstalter anders geplant war, gab es dafür auch eine Entschuldigung.
Nach der, aus Sicht vieler Zuschauer, zu langatmigen ersten Veranstaltungsrunde, ging es mit der Diskussionsrunde los. Zwar sind gut ein Drittel der Zuschauer bereits zur Pause mit enttäuschten Gesichtern gegangen, jedoch harrten die restlichen bis 22 Uhr 30 aus. Zu sehr war der Unmut anzuhören, in dem eines immer wieder klar und deutlich formuliert wurde. Wohnen auf der Mittelmole ja, aber im Rahmen der eigenen Vorgaben und zu einem Preis, den sich jeder leisten kann. Die Wiro als Vermieter, so wurde klargestellt, solle sich doch an den Mitspiegel der Stadt Rostock orientieren. Die Befürchtungen gehen jedoch in die Richtung, dass die Mieten gerade auf dem Filetstück in Warnemünde exorbitant hoch ausfallen werden.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Idee der Fußwegeführung entlang des Wassers. Die Grundidee ist gut, nur die Ausführung wird sehr schwierig werden. An der Ostseite stößt der geplante Fußweg auf den dort ansässigen Segelclub Warnemünde. Dieser hat sein jetziges Areal aufgrund der Sicherheit umzäunt. Dies würde auch in Zukunft die einzige Möglichkeit bleiben, um die Fußgänger vor Gefahren und Unfällen zu schützen. An der Ostseite gibt es ein weiteres Hindernis. Der neue geplante Passagierkai würde in der Kreuzfahrtsaison oftmals den Weg sperren. Gerade beim Ein- und Auschecken der Passagiere müsste der Weg gesperrt sein. Wir kennen ja jetzt schon das Problem, dass der Zugang zu den Kreuzfahrtschiffen durch Zäune blockiert ist. Aus Sicht vieler Zuschauer des Abends wird das auch in Zukunft so bleiben.
Geplant ist auch ein Neubau einer Über- oder Unterführung am Alten Strom. Derzeit ist nur die Warnemünder Brücke die Verbindung zwischen Warnemünde und dem Warnemünder Bahnhof. Die Gedanken der neuen Querung gehen von einer Brücke über einen Tunnel bis hin zu einer Fährverbindung zwischen der Ost- und der Westseite des Alten Stroms aus. Beim Thema Fährverbindung gehen die Planungen in eine Art Ponton, der von West nach Ost verkehrt und umgekehrt. Ob sich dies aber realisieren lässt, ist noch unsicher, zumal an dieser Stelle der Schiffsverkehr durch Ausflugsschiffe und Fischkutter sehr groß ist. Auch würde die Verbindung in den Bereich des Warnemünder Segelclubs fallen. Ob es dann auch eine Entlastung der Warnemünder Brücke gibt, ist noch nicht sicher, zumindest seitens der Zuschauer.

Funktionsplan Mittelmole Ostansicht. Foto: Maik Thomaß
Kritik wurde besonders im Bereich der Moderation durch den Abend laut. Der Moderator war sichtlich überlastet und einige, nennen wir es mal Gesichtsentgleisungen, gab es bei kritischen Stimmen aus dem Publikum. Dies darf es bei einer Moderation, die neutral verlaufen soll, nicht geben. Sichtlich überfordert war der Moderator bei der Vergabe des Stimmrechtes aus dem Publikum. Hier versuchte er von vorne nach hinten die Stimmen zu geben. Berechtigt dann auch die Wut einer Frau aus dem hinteren Publikumsbereich, die mehrfach ignoriert wurde und sich letzten Endes das Mikrofon ergatterte und mit breiter Zustimmung des Publikums endlich nach gut einer Stunde Wartezeit zu Wort kam.
Was auch negativ seitens der Veranstalter auffiel war die Tatsache, dass dem Segelclub Warnemünde Fördergelder in Höhe von 600000 Euro durch die Hansestadt Rostock vorgehalten wurden. Dies trug unser Oberbürgermeister höchstpersönlich vor. Kritik musste er sich dann seitens des Publikums anhören, als es hieß, besser das Geld im Segelclub anlegen, als Millionen in Hansa Rostock zu investieren. Daraufhin erntete der Redner großen Applaus. Von Seiten der Veranstalter kam dazu keine Stellungnahme.
Fazit des Abends war, dass viele Punkte in der Planung offen bleiben. Somit ist der Spielraum für die Stadt, die Vertreter der Stadt, die Stadtplaner, die Architekten und Landschaftsplaner sehr groß. Auch wenn es Rahmenbedingungen zu Hochbau gibt, können die Architekten in Zustimmung mit dem Bauamt und den Stadtvertretern mehr Wohneinheiten schaffen, als in der Ausschreibung tatsächlich als Maximalwert angegeben ist. Auch die Höhe der Gebäude, begrenzt auf Viergeschosser wird eine Sache der Auslegung bleiben. Da können durchaus Fünf- oder Sechsgeschosser entstehen. Ob am Ende dieses Projekt realisierbar ist und mit welchen Änderungen dann das Ortsbild von Warnemünde verändert wird, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Ein geforderter Punkt, die Transparenz, muss jetzt, nach jahrelanger Intransparenz endlich seitens der Stadt gezeigt werden. Es geht nicht um ein Projekt, dass einem einzigen Investor dient, sondern für die Allgemeinheit da sein soll. Kommerziell wirkt der derzeitige Funktionsplan. Ob dieser entkommerzialisiert wird, ist alles eine Einstellung der Politiker der Hansestadt Rostock. Wir sollten nicht vergessen, dass wir in diesem Jahr auch im Wahlkampf stecken. Und ob dieses Projekt dem Oberbürgermeister Pluspunkte bringt, sei in den Raum gestellt.