Seite 1 von 1

Langsame Züge auf teurer Strecke

Verfasst: 06.10.2016, 06:03
von Maik Thomaß

Langsame Züge auf teurer Strecke

Rostock. Eigentlich sollten die Züge auf der Strecke Rostock-Berlin mit mehr als 160 Stundenkilometern fahren können und zwischen den Städten eine Fahrzeit von etwa zwei Stunden benötigen. Aber aus dem Ziel wird nichts. Das Mitte 2014 die jahrelangen Bauarbeiten an der Strecke Rostock-Berlin abgeschlossen sein sollen, dürfte viele Pendler freuen, dies aber nur bedingt, denn es fährt auf der 850 Millionen Euro teuren Strecke nur einmal am Tag ein Schnellzug. Bahnsprecher Burkhard Ahlert bestätigte, dass lediglich ein ICE am Tag eingesetzt werde.

Für vollkommen unakzeptabel halten dies dagegen die Hansestadt Rostock, die Industrie- und Handelskammer Rostock und der Planungsverband Rostock. Ab 2015 gibt es für Reisende noch schlechtere Angebote. Nicht nur die Bahn, sondern auch das Land Mecklenburg-Vorpommern streicht Zugverbindungen. Der Oberbürgermeister Roland Methling kritisierte die Weigerung des Landes, ein verbessertes Angebot zu bestellen. Einerseits ermöglicht der Streckenausbau schnellere Züge, jedoch will das Land weitere Zugverbindungen streichen. Der Warnemünde-Express soll ab 2015 ersatzlos gestrichen werden.
Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg hatten den Warnemünde-Express bestellt, damit fehlende Fernverbindungen der Deutschen Bahn ausgeglichen werden. Das Land ist nicht für den Fernverkehr zuständig, hieß es aus dem Verkehrsministerium. Weiter heißt es: "Das Land könne seinen Nahverkehr „nicht ausschließlich auf eine schnelle, den Fernverkehr ersetzende Verbindungen zwischen den Metropolen ausrichten". Die Verantwortung liege hier weiterhin beim Bund. Eine Erweiterung des Regional-Express soll der Ausgleich des wegfallenden Warnemünde-Express sein. Zudem solle ab Ende 2014 ein fünfter Doppelstockwagen je Zug angehängt werden.

Die derzeitigen Angebote, bestehend aus einem ICE und alle zweieinhalb Stunden fahrende Regional-Expresse, können zur Kundenzurückgewinnung nicht beitragen. Die Bahn lässt indes keine Kritik zu. Die schnelleren Fahrzeiten für Regionalzüge, freie Fahrt für Güterzüge Richtung Rostocker Hafen, Pufferzeiten für Verspätungen könnten sich nach dem Ausbau der Strecke sehen lassen. Als Argument bringt Bahnsprecher Ahlert: "Der Fernverkehr muss kostendeckend fahren." Aber auf diese Art und Weise bringt man keine Kunden zum Umdenken. Auch sollen Fahrzeuge fehlen um zusätzliche Angebote zu erstellen. Einzig ein Euro-City-Zug werde bis November immer samstags um die langen Wochenenden herum eingesetzt.

Somit wird das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Ostseeküste zukünftig noch schlechter für Bahnreisende erreichbar sein und für Reisende eine längere und umständlichere Anreise bedeuten. Ob das im Sinne der Tourismusbranche ist? Als Alternativen gibt es noch den Fernbus, der zwischen Rostock und Berlin pendelt und kostengünstiger die Reisenden ans Ziel bringt.