Rostock und die selbst gesteckten Umweltziele

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Maik Thomaß
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Rostock und die selbst gesteckten Umweltziele

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Rostock und die selbst gesteckten Umweltziele

Rostock - Die Grünen kritisieren, dass in Rostock nach wie vor das Auto Vorrang habe und die Hansestadt damit ihre selbstgesteckten Klimaziele verfehlt. Sie fordern mehr Car-Sharing, den Ausbau der Radwege, eine Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehr und Pendlerparkplätze am Stadtrand.
Auch höhere Parkgebühren werden gefordert. Zeitgleich sieht es beim Straßenbau anders aus. Während 32 Kilometer an neuen Straßen entstanden, wurden gerade einmal 6 Kilometer Radweg gebaut. Die Linke-Fraktionschefin Kröger ist sich mit der Grünen-Fraktionsvize Krönert
einig, dass die RSAG mehr Geld bekommen solle.

Aber was bringt es, noch mehr Geld in den ÖPNV zu investieren, wenn
  • die Taktung von Bus und Straßenbahn am Wochenende unverändert bleibt,
  • die Fahrpreise weiter steigen und somit kaum ein deutlich spürbarer Unterschied zwischen Parken und Bahn entsteht,
  • die Anbindungen, gerade auch in den Sommermonaten, nach Warnemünde (seit Jahren 15-Minuten-Takt) nicht verbessert werden.
Vor dem Ausbau der Straßenbahn in den Nordwesten, bezugnehmend auf die Anbindung Warnemünde, fuhren am Wochenende in den Sommermonaten die Busse der Linie 36 im 7,5 Minuten Takt am Wochenende. Seit dem Wegfall der Linie in den Stadtteilen Evershagen, Lütten Klein und größtenteils in Lichtenhagen, wurde hier kräftig eingespart. Bei der Straßenbahntaktung hat sich nach dem Ausbau nichts geändert. Sonnabend alle 10 Minuten, Sonntag alle 15 Minuten in die Stadt, in die Stadtteile im Nordosten und die Südstadt steht am Sonnabend eine 20- am Sonntag eine 30-Minuten-Taktung.

Attraktivität für Fahrradfahrer ebenfalls eher dürftig. Um beispielsweise am Schutower Kreuz mit dem Fahrrad aus Richtung Warnemünde Richtung Innenstadt zu fahren heißt es dreimal Stopp. Hier waren die Verkehrsplaner so umsichtig, die Ampelschaltung so zu gestalten, dass wirklich jede Ampel bei "rot" erreicht wird. Wer in die Stadt möchte, muss sich der Gefahrenlage bewusst sein, dass Autofahrer oftmals, besonders an beengten Stellen, rücksichtslos einen Linksabbieger auf dem Fahrradstreifen überholen (zwei Sekunden warten ist nicht die Stärke aller Verkehrsteilnehmer.
Das Konzept der Langen Straße, Fahrradfahrer und Autofahrer für ein und den selben Verkehrsweg zu begeistern, scheint im Ansatz richtig zu sein, jedoch ist es bei der derzeitigen Verkehrssituation ein gefährliches Unterfangen, denn jeder will der Stärkere sein, sowohl Autofahrer als auch Fahrradfahrer.

Um mehr Menschen auf das Fahrrad zu bringen, könnten doch Anreize geschaffen werden. Es gibt Projekte in Rostock, die sollten nach jahrelanger Planung einfach zu den Akten gelegt werden. Sie kosten nur unnötig Geld, was gewinnbringender als Anreize für einen Umstieg verwendet werden könnte.

Beispielsweise wäre ein Bonusprogramm für regelmäßig mit dem Fahrrad pendelnde Arbeitnehmer in Form von Beteiligung an Reparaturkosten für das Fahrrad eine sinnvolle Alternative. Auch eine prozentuale Beteiligung bei den Beschaffungskosten für Fahrräder, gerade für Berufspendler, wäre eine Alternative. Es gäbe viele Möglichkeiten, das Fahrradfahren in Rostock attraktiver zu gestalten, nur fehlen da die Ideen und der Ball wird wieder zum ÖPNV geworfen, wo sich selbst bei Förderungen nichts am Angebot ändert.

Warum ändert sich nichts? Wenn das Angebot des ÖPNV, eine bessere und dichtere Taktung am Wochenende, nicht verbessert wird, dann wird sich auch am Nutzungsverhalten von PKW nichts ändern. So werden auch in Zukunft Pendler und Wochenend-Shopping-Touren auf das eigene Kraftfahrzeug beschränken oder gar verstärken. Da hilft es auch nichts, von der Erhöhung der Parkgebühren zu sprechen, denn wer Shoppen geht, wird auch höhere Parkgebühren in Kauf nehmen und auf die Flexibilität der An- und Abreise mit dem eigenen PKW mehr Wert legen, als darauf zu warten, dass irgendwann einmal eine Straßenbahn in Richtung Heimat durch die Lange Straße rollt.
Redaktion Maik Thomaß
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